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Projekte - Vogel des Jahres 2007

Kobi
 
Der Turmfalke
Falco tinnunculus
 
Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke

Ordnung:
Falconiformes – Greifvögel

Familie:
Falconidae – Falken

Gattung:
Falco – Eigentliche Falken

Der Turmfalke wurde von Naturschutzbund NABU und vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) zum Vogel des Jahres 2007 gewählt. Vor 36 Jahren war sein seltener Verwandter, der Wanderfalke, der zweite Vogel des Jahres. Im Gegensatz zum nach wie vor seltenen und streng geschützten Wanderfalken ist der Turmfalke noch relativ weit verbreitet und noch nicht auf der Roten Liste der Aussterbenden Tierarten. Jedoch gehen die Bestandszahlen stetig zurück und mit seiner Wahl zum Vogel des Jahres 2007 soll auf seine potentielle Gefährdung hingewiesen werden.

Allgemeines
Etwa 50.000 Brutpaare leben in Deutschland, der Turmfalke ist damit die häufigste Falkenart in Europa. Die Bestände sind in den meisten Bundesländern stabil, deutliche Abnahmen gibt es aber in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Sachsen.

Verbreitung und Lebensraum
Turmfalken, die in 10 Unterarten in ganz Europa und vielen Regionen Afrikas und Asiens heimisch sind, sind Kulturfolger. Als ursprüngliche Felsbewohner haben sie sich an Dörfer und Städte angepaßt und suchen dort Kirchtürme, Hochhäuser und Fabrikgebäude als Nistmöglichkeit. In der „freien Natur“ sucht sich der Turmfalke bevorzugt Waldränder oder Hecken mit höheren Bäumen als Lebensraum. Wichtig sind offene Flächen als Jagdrevier.
Wichtig ist, soweit noch vorhanden, eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft als Lebensraum. Also, sowohl Baumbestände als auch offenes Freiland mit niedriger Vegetation.

Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke - Verbreitung
Bild: Kosmos Vogelatlas CD-ROM
Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke

Name
Der Name Turmfalke, oder auch Turmweih, stammt von der Vorliebe der Falken sich hochgelegene Brutplätze, also hohe Bäume oder, als Kulturfolger, Kirchtürme zu suchen. Seine Eigenart auf Beutesuche rüttelnd in der Luft zu stehen bescherte ihm den Namen Rüttelfalk.
Die Artbezeichnung „tinnunculus“ bedeutet „schellend, klingend“ und bezeichnet seinen charakteristischen Ruf.

Stimme
In der Nähe von Kirchtürmen ist selbst in Großstädten ein lautes schrilles „kikikikikikik…“ zu hören. Dann lohnt es sich nach oben zu schauen, meist kann man einen oder mehrere Turmfalken sehen und ihre Flugkünste bewundern.
Am Nest ist der Turmfalke deutlich leiser. Man kann das sogenannte Lahnen hören, den Bettelruf der Jungvögel. Während der Brut hört sich der Bettelruf des brütenden Weibchens ähnlich an. Ein kurzes „Tük“ bildet den Begrüßungsruf am Nistplatz.

Aussehen
Sieht man einen Greifvogel im sogenannten Rüttelflug, d.h. er steht flügelschlagend in der Luft in 20 bis 40 m Höhe an einer Stelle, dann ist es meist ein Falke, hat er dann noch besonders lange, spitze Flügel, dann ist es ein Turmfalke.
Turmfalken sind etwa 35 cm lang und haben eine Flügelspannweite von 65 bis 82 cm.
Die im Durchschnitt etwa 200 g (136 – 252 g) schweren Männchen sind rotbraun mit hellgrauem Kopf, ihr Rücken ist rotbraun und fein dunkel gefleckt. Der Schwanz der Männchen ist hellblaugrau mit kleinen dunklen Flecken.
Bei den mit etwa 260 g etwas schwereren Weibchen (154 – 314 g) ist dagegen Kopf, Rücken und Schwanz rostbraun gefärbt mit dichter dunkler Fleckung und Querbänderung. Ihre Unterseite ist stärker gefleckt als die der Männchen.
Turmfalken besitzen übrigens 15 Halswirbel und können deshalb den Kopf um 180° drehen.
Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt bei Männchen 4 bis 5 Jahre, bei Weibchen knapp 3 Jahre. Der älteste gefundene und beringte Turmfalke war 23 Jahre und 10 Monate alt.

Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke
Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke

Nahrung
Falken gehen vom normalen Flug in den Rüttelflug über sobald sie mit ihren scharfen Augen ein potentielles Beutetier entdeckt haben. Sie scheinen dann in der Luft zu stehen und halten ihre Position durch schnelles Flügelschlagen und gleichzeitiges Spreizen der nach unten gestellten Schwanzfedern. Plötzlich stoßen sie herab, entweder bis zum Boden um die Beute zu greifen oder sie bleiben in 10 bis 15 m Höhe erneut stehen und rütteln um Beutetier zu beo-bachten die sich weiterbewegt haben.
Beutetiere sind vor allem Mäuse, aber auch Eidechsen, Vögel und Insekten, gelegentlich sogar Regenwürmer. Diese werden dann im schnellen Sturzflug erbeutet. Oft sieht man Turmfalken auch auf einzelstehenden Bäumen oder Straßenbegrenzungspfosten nach Beute lauern.
Vor allem im Sommerhalbjahr sieht man den Turmfalken im Rüttelflug jagend, jetzt gibt es auch mehr Beutetiere. Im Winterhalbjahr ist der Turmfalke eher ein Ansitzjäger um Energie zu sparen.
Der Turmfalkenbestand hängt eng mit dem Mäusebestand zusammen. Gibt es, auch welchen Gründen auch immer wenig Mäuse, geht im Folgejahr auch der Turmfalkenbestand zurück. Wenig Beutetiere bedeutet wenig Nachwuchs.
Turmfalken sind Bißtöter, d.h. sie ergreifen die Beute mit den Fängen und töten sie mit einem Biß in die Halswirbelsäule. Der sog. Falkenzahn, eine Ausbuchtung des Oberschnabels, erleichtert dies.
Welche Tiere von einem Turmfalken bevorzugt gejagt werden, kann man durch eine Gewölleuntersuchung feststellen. Turmfalken fressen, wie alle Greifvögel, ihre Beute mit Haut und Haaren, bzw. Federn. Unverdauliche Bestandteile, also Fell, Federn und größere Knochen werden im Magen zu einem Ballen geformt und als sog. Gewölle wieder herausgewürgt.
Turmfalken benötigen 60 bis 80 g Nahrung pro Tag, das entspricht etwa 2 Feldmäusen am Tag.

Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke

Fortpflanzung
Hohe Türme, Fabrikgebäude, Masten, Scheunen nutzt der Kulturfolger Turmfalke gerne als Nistplatz. Ursprünglich nutzte er Nischen oder Höhlen in Felsen oder Steinbrüchen, aber auch verlassene Nester von Rabenvögeln.
Vogelschützer können den Turmfalken auch durch das Anbringen von Nistkästen an höheren Gebäuden helfen.
Turmfalken, die übrigens oft lebenslang monogam sind, besetzen ihr Brutrevier oft bereits im Vorjahr, spätestens im Frühling. Ab Mitte März, meist im April und Mai werden 4 bis 6 Eier (selten bis 9 Eier) in eine kleine Nestmulde gelegt. Im Durchschnitt werden 2 Eier am Tag gelegt. Die Eier sind breitoval und haben rotbraune Flecken auf gelblichweißem Grund, manchmal sind sie auch einfarbig rotbraun. Nach 27 bis 32 Tagen schlüpfen die Jungvögel meist innerhalb von 3 bis 5 Tagen. Die Weibchen hudern und füttern die Jungvögel mit vom Männchen überbrachtem Futter. Nach etwa 2 Wochen teilen sich die Altvögel die Arbeit. Die Jungvögel verlassen nach etwa 30 Tagen das Nest und sind mit etwa 8 Wochen Alter selbständig. Durchschnittlich werden 3 – 4 Jungvögel pro Brut flügge.

Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke

Überwinterung
Turmfalken sind meist Standvögel, das heißt sie überwintern bei uns. Wenige Falken ziehen im Winter nach Süden, teilweise bis Nordafrika. Nordeuropäische Turmfalken überwintern teilweise in Deutschland. Tauchen also im Winter in einem Gebiet plötzlich überraschend viele Turmfalken auf sind es zumindest teilweise Zugvögel.
Die Turmfalken bei uns in Mitteleuropa sind überwiegend Standvögel. Sie bleiben ganzjährig in einem Gebiet, das recht groß sein kann. Manche Vögel ziehen allerdings am Ende des Sommers in den wärmeren Süden, zum Teil bis nach Nordafrika. Turmfalken aus Nord- und Osteuropa tauchen dagegen im Winter gelegentlich in Deutschland auf. Insbesondere auf den offenen Höhenflächen der Mittelgebirge sind im Winter häufig Turmfalken zu sehen, während man sie dort im Sommerhalbjahr vergeblich sucht.

Gefährdung
Schuld am Rückgang der Bestände ist unter anderem der Mangel an potentiellen Nistplätzen. Nach wie vor werden Kirchtürme verschlossen gehalten, Maschendraht soll verwilderte Haustauben abhalten. Scheunen und alte Gebäude in deren Dach ein Falke nisten könnte werden entweder abgerissen und „falkendicht“ renoviert. Bisher freie Flächen an Ortsrändern werden durch Straßen und Neubauten versiegelt. Dadurch fehlen den Falken Jagdreviere, ge-nauso wie durch die Abholzung von einzelstehenden Bäumen und Feldhecken.
Es kann also vorkommen, daß Nistplätze in Türmen und Scheunen vorhanden sind aber der Turmfalke durch die Bodenversiegelung keine Möglichkeit hat ausreichend Beute zu finden.
Eine weitere Gefährdung entsteht durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft, der leider nach wie vor weit verbreitet ist. Die behandelten Pflanzen werden von Pflanzenfressern gefressen, diese von Raubtieren. Im Lauf dieser Kette reichert sich die Konzentration der Giftstoffe immer mehr an. Am Ende der Nahrungskette stehen u.a. Greifvögel.
Durch die Intensivierung und vor allem Spezialisierung der Landwirtschaft fehlt es den Turmfalken oft an Beutetieren. Dauergrünland wird in Ackerland umgewandelt, dies auch oft noch intensiv bewirtschaftet. Auch die Zusammenlegung von kleinen Acker- und Grünlandflächen zu großräumigen Anbauflächen mindert den Lebensraum der potentiellen Beutetiere.
Andere Gefährdungen entstehen durch den Straßenverkehr. Als zumindest teilweise Ansitzjäger halten sich Turmfalken oft auch an Straßenrändern auf. Versuchen sie dann überfahrene Tiere „zu erbeuten“ werden sie oft selbst zum Opfer. Auch Strommasten, bzw. der Stromschlag fordert viele Opfer unter den Falken.
Nur noch selten werden Turmfalken bejagt, gelegentlich kommt es aber vor, daß Gelege in alten Krähennestern zerschossen werden.

Schutz
Eine wirkungsvolle Möglichkeit dem Falken zu helfen ist das Öffnen von Kirchtürmen aber auch der Dachstühle von Scheunen und anderen Gebäuden. Ein Schutz der Kirchtürme vor Tauben ist auch weiterhin möglich, wenn Falkennistkästen an der Außenseite vor den Taubenschutzgittern befestigt werden. Privatleute, aber auch Industriebetriebe können geeignete Nistkästen unter vorstehenden Dächern an höheren Gebäuden montieren. Als positiver Nebeneffekt kann man so den Turmfalken als Schädlingsbekämpfer nutzen.
Die Gefährdung durch pestizidbelastete Beutetiere könnte durch eine naturverträgliche, extensive Landwirtschaft mit reduziertem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringert werden. Breite Ackerrandstreifen und Wegränder, aber auch unbefestigte Feldwege schaffen Jagdmöglichkeiten nicht nur für Turmfalken.

Verwandte Arten

Baumfalke Wanderfalke
Baumfalke
Falco subbuteo
Wanderfalke
Falco peregrinus
Sakerfalke
Sakerfalke
Falco cherrug



Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke



Quellen und Bilder:
www.nabu de
Wikipedia
Deutsche Wildtierstiftung
Bezzel, E. – Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Wiesbaden – Aula V. 1993
Kosmos Vogelatlas CD-ROM


Natur des Jahres 2007 Download Steckbrief Turmfalke
415 KB



Vogel des Jahres 2007 - Der Turmfalke     Turmfalken-Puzzle
    265 KB



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