Schullandheim Zöthen

Projekte - Giftpflanze des Jahres 2006

Kobi
 
Das Europäische Pfaffenhütchen
Euonymus europaea
 
Giftpflanze des Jahres 2006 - Das Europäische Pfaffenhütchen

Ordnung:
Celastrales - Spindelbaumartige

Familie:
Celastraceae - Spindelbaumgewächse

Gattung:
Euonymus - Spindelsträucher

Internet-Nutzer sind einem Aufruf des Botanischen Sondergartens in Hamburg-Wandsbek gefolgt und haben die Giftpflanze des Jahres 2006 gewühlt. Entschieden haben sie sich für das Pfaffenhütchen


Andere Namen

Fruchtform:
Pfaffenkäppchen, Pfaffenhut, Pfaffenmütze, Pfaffenkappel, Pfaffenröschen, Hainhütchen, Käpplein, Käppchen-Spindelbaum, Bischofsmütze, Kardinalshütche, Mutschellen, Mutzelchen, Metzelcher, Westeleholz, Brezelnholz, Franzbrot, Schlegeli, Herrgottsschühlein, Krüzbern, Solzbüchseli, Herrgottspantöffelche, Kreuzmuts, Käpsele, Kreuzbaum

Samenform:
Säckel, Pfaffenröslein, Katzenkirsche, Pfaffenhoden, Paffenhodenbaum, Pfefferrose, Hahn-Hoden, Hundshoden, Kattenklöken, Hahneglöckchen, Pfaffenhöschen, Katzenpfote, Kaffebohn, Korallenhalsband, Hasen-Eili, Rosenkranzbeere

Farbe der Frucht:
Rokopp, Gokelskern

Zweige und Holz:
Viereggholz, Spindelholz, Spindelbaum, Spulholz, Mangelbaum, Schusterpinnholz, Zwekkenholz, Plochholt, Piggeholt, Schuenegeliholz

Heilpflanze:
Maulholz, Lausbaum

Früchte als Nahrung:
Rotkehlchenbrot, Rotkehlchenbrod, Rotkehlchenbeere, Rotkatelbaum, Rotbrüstchensbeere

Giftige Früchte:
Gaftich Blaum, Tirich Kirscker, Hundskirsche, Hundsbaum, Katzenholz, Katzenkirsche

Andere Namen:
Anisholz, Biggi-Bäggi, Stempel, Eselskrättli, Sattelholz, Sattelbaum, Trommelschlägelholz, Rotkehlchenbrot (Vogelfutter), Lüsbeeri, Spillbaum

Herkunft des lateinischen Namens.
Griech „eu“ = gut und „onoma“ = Name

Vorkommen, Lebensraum und Verbreitung
Einer der häufigsten einheimischen Sträucher, sein Verbreitungsgebiet reicht von Nordspanien bis zur Wolga. Im 16. Jahrhundert wurde das Pfaffenhütchen aus dem Mittelmeerraum eingeführt. Auch im südlichen Skandinavien kommt der Strauch vor. In einem kleinen Gebiet zwischen Schwarzem und Kaspischen Meer kommt er ebenfalls vor.
Das Pfaffenhütchen bevorzugt kalkhaltigen, stickstoffhaltigen, eher trockenen Boden, kommt aber auch auf anderen Böden häufig vor. Besonders gerne wächst es an Hecken und Waldrändern, Auf Lichtungen, im Auwald. Bis 800 Meter Höhe, in den Zentralalpen bis 1200 m.
Mäßigwärmezeiger, Frischzeiger auf mäßig stickstoffreichen Standorten.

Giftpflanze des Jahres 2006 - Das Europäische Pfaffenhütchen

Aussehen
Habitus:
Der sommergrüne und reich verzweigte Strauch kann drei bis vier Meter hoch werden. Im Winter ist der Strauch kahl mit wintergrünen jungen Zweigen. Der Stamm ist selten stärker als 20 cm.

Stamm, Rinde, Äste und Zweige:
Die vierkantigen Zweige sind jung grün, später graubraun mit 2 bis 4 schmalen Korkleisten. Seitenzweige stehen fast rechtwinklig und bogig ab.

Wurzeln:
Flachwurzler mit dichtem Wurzelgeflecht aus dem zahlreiche Ausläufer treiben. Keine Pfahlwurzel.

Blätter:
Die einfachen Blätter sind kurz gestielt und stehen gegenständig und sind eiförmig bis lanzettlich mit gesägtem Rand. Sie sind 3 bis 8 cm lang und 1 bis 2,5 cm breit.
Im Herbst verfärben sich die sonst hell- und dunkelgrünen Blätter leuchtend rot.

Giftpflanze des Jahres 2006 - Das Europäische Pfaffenhütchen
Giftpflanze des Jahres 2006 - Das Europäische Pfaffenhütchen

Blüte:
Unscheinbar gelblich-weiß blüht das einhäusige Pfaffenhütchen von Mai bis Juni, man muß schon genau hinsehen um die zwittrigen 2 bis 9 Blüten in den kleinen Scheindolden überhaupt zu sehen. Die rispigen Scheindolden stehen in den Blattachseln. Bestäubt werden die Blüten von Insekten, vor allem Fliegen, Bienen und Ameisen die vom Nektar, der vom fleischigen Diskus abgesondert wird, angelockt werden.
Der Stiel der Scheindolden ist kürzer als das Blatt.
4 Blütenblätter, diese sind verkehrt-eirund, ca. 4 mm lang und am Rand etwas ausgefranst. Die Staubgefäße sind nur halb so lang, der Fruchtknoten ist oberständig.

Fruchtstand, Samen und Vermehrung:
Die vierkantigen Kapselfrüchte sind leuchtend rot und werden ab August bis Oktober reif. Reife Früchte springen an den vier Fruchtklappen auf. Die von einem orangeroten, fleischigen Samenmantel umhüllten, 4 bis 7 mm langen, Samen hängen in den Klappen an Fäden. Viele Vogelarten nutzen die Früchte als Futter. Sie verbreiten den Samen der erst nach einer Ruhepause von vier bis fünf Jahren, nach mehreren Frostperioden, auskeimen können.

Giftpflanze des Jahres 2006 - Das Europäische Pfaffenhütchen
Giftpflanze des Jahres 2006 - Das Europäische Pfaffenhütchen

Nutzung
Das zähe, gelbe Holz wird heute nur noch selten verwendet. Früher stellte man daraus Spindeln, Stricknadeln, Kleiderhaken, Fleischspieße, Orgelpfeifen und Schuhnägel her. Auch Spielbretter oder Etuis wurden daraus gefertigt. Holzkohle aus Pfaffenhütchen war eine hochwertige Zeichenkohle. Es ist schwer spaltbar und wenig dauerhaft.
Die gemahlenen Samen wurden früher als Insektenpulver und als Shampoo sogar gegen Krätzemilben verwendet.
In Rußland wird das Paffenhüttchen zur Gewinnung von Guttapercha (kautschukähnlicher Milchsaft in der Wurzelrinde) in Plantagen angebaut.
Das giftige Öl aus den Früchten wurde früher als Brennstoff und zur Seifenherstellung verwendet.
Pionierpflanze, Bodenverbesserer

Nutzen für Tiere
Eine beliebte Vogelfutterpflanze, aber auch bei Läusen und Gespinstmotten sind die Sträucher beliebt. 24 Vogelarten und 21 Insektenarten leben an und vom Pfaffenhütchen.

Heilpflanze
Die gesamte Pflanze ist giftig. Giftstoffe sind vor allem herzwirksame Glykoside und verschiedene Alkaloide. Stereoglykoside (Evonosid) und Alkaloide (Evonin, Koffein, Theobromin) in den Samen. Bitterstoffe, Gerbstoffe und Phlobaphene in der Rinde, Triterpene in den Blättern.
Beim Menschen führt der Genuß von Früchten zu Kreislaufstörungen, Fieber und Koliken, es kann auch tödlich enden. Die letale, also tödliche Dosis liegt beim Erwachsenen bei etwa 36 Samen, bei Kindern können bereits zwei Samen tödlich sein.
Verwendung in der Homöopathie bei Herzschwäche.
Auch für viele Tiere sind Pfaffenhütchen giftig: Pferde, Schwein, Schafe, Hunde, Katzen, Nager, Hasen, Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen. Vergiftungssymptome treten beim Mensch oft erst 12 bis 18 Stunden nach der Aufnahme auf: Übelkeit – Krämpfe – Schock – Temperaturanstieg – blutiger Durchfall mit Krämpfen – Leber- und Nierenschädigung – Herzrhythmusstörungen – Lähmung der Kaumuskulatur – Krämpfe – Bewußtlosigkeit und Tod.

Gefährdung
Obwohl der Befall mit Gespinstmotten (Spindelbaumgespinstmotte – Yponomeuta plumbellus) gefährlich aussieht, wird das Pfaffenhütchen durch die Motten nicht ernsthaft geschädigt. Sie treiben einfach ein zweites Mal aus. Die Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae) überwintert am Pfaffenhütchen und saugt an den Blättern. Auch Mehltau-Pilze (Microsphaera evonymi)kommen vor.

Giftpflanze des Jahres 2006 - Das Europäische Pfaffenhütchen

Verschiedenes
Offenflächen verbuschen durch die zahlreichen Ausläufer relativ schnell, diese müssen deshalb immer wieder aufwendig freigeschnitten werden.

Verwandte Arten
Weltweit gibt es rund 175 Pfaffenhütchen-Arten, in Deutschland aber nur zwei. Das Europäische Pfaffenhütchen (Euonymus europaea) und das ähnliche Breitblättrige Pfaffenhütchen (Euonymus latifolia).

Giftpflanze des Jahres 2006 - Das Europäische Pfaffenhütchen



Quellen und Bilder:
www.nabu de
Wikipedia
www.baumkunde.de
www.altmuehltal.de
www.giftpflanzen.com
www.derkleinegarten.de
www.flogaus-faust.de
www.natur-lexikon.com
Ruhr Uni Bochum
www.der-gruene-faden.de
www.loebf.nrw.de
www.meb.uni-bonn.de
www.Lfl.bayern.de
Botanischer Sondergarten Hamburg


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