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Projekte - Vogel des Jahres 2006

Kobi
 
Der Kleiber
Sitta europaea
 
Vogel des Jahres 2006 - Der Kleiber

Ordnung:
Passeriformes – Sperlingsvögel

Familie:
Sittidae – Kleiber

Gattung:
Sitta – Kleiber

Foto: NABU / M. Delpho

Der Kleiber wurde von Naturschutzbund NABU und vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) zum Vogel des Jahres 2006 gewählt. Damit wurde ein relativ weit verbreiteter Vogel unserer Gärten und Wälder gekürt. Damit soll vor allem auf den Schutz, den Erhalt und die naturnahe Gestaltung der entsprechenden Lebensräume hingewiesen werden. Vor allem die ursprünglichen alten, strukturreichen Buchen- und Eichenmischwälder gehören heute zu den gefährdeten Waldbeständen und sind bevorzugte Lebensräume des Kletterkünstlers.

Allgemeines
Kleiber gehören zu den wenigen einheimischen Vögeln die kopfunter an einem Stamm herablaufen können. Dies ist möglich, da er nicht wie andere Vögel beim Laufen die Füße nebeneinander setzt, sondern voreinander.

Verbreitung und Lebensraum
Europa, Asien und Nordwest-Afrika
Es gibt in Deutschland zurzeit etwa 1 Mio. Kleiberbrutpaare, die Angaben schwanken zwischen 600 000 und 1,4 Mio.
Lichte Laub- und Mischwälder und Parks und Gärten mit alten Baumbeständen. Seltener in Nadelwäldern. In der Schweiz brüten Kleiber v.a. in Zirbelbeständen bis in 2200 m Höhe.
Kleiber legen Wert auf artenreiche Altholzbestände mit einem großen Höhlenangebot.

Vogel des Jahres 2006 - Der Kleiber - Verbreitung
Bild: Kosmos Vogelatlas CD-ROM
Vogel des Jahres 2006 - Der Kleiber

Name
Der Name „Kleiber“ bezieht dich auf die Fähigkeit des Vogels den Eingang seiner Nisthöhle durch Zukleben „kleibern“ mit Lehm auf die passende Größe zu verkleinern. Der Ausdruck „kleibern“ bedeutet ursprünglich das Zuschmieren von Fugen und Lücken mit Lehm o.a.
Kleiber werden auch oft Spechtmeisen genannt.
Der lateinische Name „Sitta europaea“ kommt wahrscheinlich vom Lockruf „Sit“ des Vogels.

Foto: Wikipedia

Stimme
Als Stimmfühlungslaut ist ein meisenähnliches „sit“ zu hören. Bei Erregung „träck träck träck“, „twättwät-twät“ oder „tuit-tuit-tuit“. Bei Streitigkeiten, aber auch als Warnruf ein vibrierendes „tirr“. Gesang trillernd „wiwiwi…“.
Kleiber sind vor allem zwischen Ende Dezember und Mai zu hören, ansonsten singen sie selten.

Aussehen
Kleiber werden ungefähr 12 bis 15 cm lang und 19 bis 24 g schwer, sie sind also etwas größer als ein Spatz. Sie besitzen einen kompakten Rumpf mit auffallend großem Kopf, kurzem Hals und kurzem Schwanz. Die Beine sind auffallend kräftig mit starken Zehen und spitzen Kral-len. Der starke Schnabel ist dunkel, lang und spitz. Das Obergefieder ist blaugrau, der Bauch rostbraun. Von den Schultern über die Augen bis zum Schnabel reicht ein schwarzer Augen-streif, der oft einen weißen Saum besitzt. Die Kehle ist weiß.
Jungvögel sind matter gefärbt als Altvögel. Weibchen sind etwas heller als Männchen.
Ihre Körperhaltung wirkt immer etwas geduckt. Der Schwanz wird übrigens nicht wie bei Spechten als Stütze benutzt.

Vogel des Jahres 2006 - Der Kleiber
Foto: Wikipedia

Nahrung
Im Frühling und Sommer vor allem Insekten und Maden, später auch Samen und Nüsse. Der Kleiber klemmt z.B. Nüsse in Baumspalten um sie dort besser aufhämmern zu können. Oft werden auch Futtervorräte angelegt.

Balz
Langsamer Imponierflug, sitzende Imponierhaltung mit aufgeplusterten Gefieder und breit aufgefächertem Schwanz. Monogame Saisonehe. Die Reviersuche findet bereits im Herbst durch die gerade erst flügge gewordenen Jungvögel statt. Im Spätwinter sucht das Männchen einen Nistplatz, das Weibchen entscheidet ob die Wahl die richtige ist. Die monogame Saisonehe kann mehrere Jahre halten.

Vogel des Jahres 2006 - Der Kleiber Vogel des Jahres 2006 - Der Kleiber Vogel des Jahres 2006 - Der Kleiber
Kleiber am Nistkasten
Foto: Mitteldeutscher Rundfunk
Kleiber am Nistkasten
Foto: Mitteldeutscher Rundfunk
Kleibernachwuchs
Foto: Mitteldeutscher Rundfunk

Fortpflanzung
Das mit Rindenschuppen, Gras, Haaren und Federn ausgepolsterte Nest befindet sich meist in Baumhöhlen über 2 Meter hoch, bevorzugt werden – soweit möglich – Höhlen in über 10 m Höhe. Verwendet werden sowohl natürliche Spalten als auch verlassene Spechthöhlen. Zu große Einfluglöcher werden mit einem Gemisch aus Lehm und Speichel verkleinert (35 mm). Außerdem gleichen Kleiber scharfe Kanten im Inneren der Höhle mit einer Lehmtapete aus.
Brutzeit ist zwischen April und Mai. Ein Gelege besteht aus 5 bis 9 milchig-weißen kleinen Eiern mit rotbraunen Flecken, die nur 2 g wiegen. Es brütet vor allem das Weibchen, gelegentlich wird es sogar vom Männchen gefüttert. Nach 15 bis 18 Tagen Brutdauer schlüpfen die Jungvögel, die wiederum nach 22 bis 25 Tagen flügge sind. Gefüttert werden die Nestlinge mit Insekten, wie Käfern, Raupen und Schmetterlinge, aber auch mit Samen, Beeren und Nüssen.
Nach dem Flüggewerden bleibt die Familie noch etwa 2 Wochen zusammen. Kleiber können bis zu 9 Jahre alt werden (Ringfund), meist leben sie aber nur 2 bis 3 Jahre.

Verschiedenes
Der tagaktive Vogel übernachtet einzeln in Höhlen. Bemerkenswert ist die Klettertechnik. Kleiber stellen ihre Zehen quer und setzen einen Fuß vor den anderen. So hängt der Körper am oberen Fuß und wird durch den unteren abgestützt. Dadurch kann der Vogel blitzartig die Richtung wechseln. Meist klettern Kleiber im Zickzack, sie können aber auch geradeaus am Stamm herab oder hinauf laufen.

Überwinterung
Standvogel, bei Nahrungsmangel und/oder Überbevölkerung truppweises Umherwandern.

Schutz
Der Kleiber gehört zwar nicht zu den gefährdeten Vogelarten in Deutschland, sein bevorzugter Lebensraum, also arten- und strukturreiche Laubmischwälder, ist aber bedroht. Sie zu erhalten ist also vordringlichstes Ziel aller Schutzmaßnahmen.
Trotzdem kann jeder Gartenbesitzer mit nur wenig Aufwand etwas tun um dem Kleiber in seinem Garten Lebensraum zu bieten. Am einfachsten ist dies mit einer naturgemäßen Gartengestaltung mit einheimischen Laubgehölzen und Hecken möglich. Alte Bäume sollten erhalten werden, auf ihre Nisthöhlen ist der Kleiber angewiesen. Aber auch der Einsatz von Nistkästen (Flugloch 32 mm) ist möglich, schließlich hat nicht jeder eine mehrhundertjährige Eiche im Garten.

Verwandte Arten
Felsenkleiber – Sitta neumayer – Südeuropa, Asien
Weißbrustkleiber – Sitta carolinensis – Nordamerika
Kappenkleiber – Sitta canadensis – Nordamerika

Vogel des Jahres 2006 - Der Kleiber



Quellen und Bilder:
www.nabu de
NABU / M. Delpho
Wikipedia
www.oekokosmos.de - Artikel von Saskia Gerhardt
www.vogelwarte.ch
www.tierenzyklopädie.de
Landesbund für Vogelschutz
Mitteldeutscher Rundfunk
www.natur-lexikon.com
www.wald.lauftext.de
www.jadu.de
www.nabubrandenburg.de
www.br-online.de
Microsoft Encarta Enzyklopädie 2005
Bezzel, E. – Kompendium der Vögel Mitteleuropas – Wiesbaden – Aula V. 1993
Kosmos Vogelatlas CD-ROM


Natur des Jahres 2006 Download Steckbrief Kleiber
190 KB



Vogel des Jahres 2006 - Der Kleiber     Kleiber-Puzzle
    290 KB



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