Schullandheim Zöthen

Projekte - Natur des Jahres 2003

Kobi
 
Die Schwarzerle
Alnus glutinosa
 
Jedes Jahr wird vom Kuratorium Baum des Jahres ein „Baum des Jahres“ ernannt. Im Jahr 2003 steht mit der Schwarzerle ein Baum im Mittelpunkt, dessen Bedeutung durch die Hochwasserkatastrophe im Sommer 2002 deutlich wurde.
Baum des Jahres 2003 - Die Schwarzerle Wie sieht die Schwarzerle aus:

Sommergrüner Baum oder Strauch, bis 25 m, selten bis 35 m hoch.

Alter bis etwa 120 Jahre

Lichtbaumart mit weiten, locker gestellten Ästen, Baumkrone abgerundet.

Rinde: die jung graue, alt schwärzliche, stark rissige Borke gab dem Baum seinen Namen

Wurzeln: Herzwurzelsystem, d.h. die Wurzeln gehen sowohl in die Tiefe als auch in die Breite, dadurch ist die Schwarzerle ein sehr sturmfester Baum
Blätter
wechselständig, gezähnt, bis 10 cm lang, breit keilförmig, im vordersten Blattdrittel am breitesten, vorn abgerundet, häufiger sogar eingekerbt. Die jungen Blätter sind klebrig, daher kommt der lateinische Name „glutinosa“ (gluten = Leim). Die Blätter werden noch grün, teilweise schon im Frühsommer abgeworfen.
Blatt der Schwarzerle
Kätzchen der Schwarzerle Blüten:
die männlichen Kätzchen erscheinen im zeitigen Frühjahr vor dem Laubaustrieb, sie sind 5 – 10 cm lang und hängen herunter. Die nur 0,5 cm langen weiblichen Kätzchen bilden 1 – 2 cm lange, verholzende grünliche Zapfen.
Zapfen der Schwarzerle
Holz:
Bekannt ist Erlenholz durch seine charakteristische Rotfärbung an der Schnittfläche, sie entsteht durch die Sauerstoffreaktion des Holzes beim Fällen. Das Holz ist beliebt in der Möbelschreinerei, als Furnierholz, für Drechsler und Schnitzer. Es ist fest, weich und reißt kaum ein. Da es unter Wasser sehr dauerhaft ist, wurde ist auch im Schiffsbau verwendet. Venedig ist auf Holzpfählen erbaut worden, vor allem auf Erlenholzpfählen.
Holz der Schwarzerle
Vorkommen und Standort:
Die Lebenskünstlerin Schwarzerle wird mit zeitweiligem Hochwasser gut fertig. Sie verträgt aber keine ständige Überflutung und lebt an Bach- und Flußufern in Ebene und mittleren Gebirgslagen (bis 1300 m).Vor allem in Mecklenburg, der Lüneburger Heide und im Spreewald. Größere Schwarzerlenbestände gibt es auch in Oberbayern.
Erlenbruch
Bedeutung der Schwarzerle:
Früher bedeckten große Erlenbruchwälder Deutschland. Durch Rodungen, Flußbegradigungen und Grundwasserabsenkung verschwanden die meisten. Heute wird die Bedeutung der Schwarzerle für die Uferbefestigung und den Windschutz wieder erkannt. Auch als Lebensraum für zahlreiche Tiere ist die Erle wichtig. Sogar Fische profitieren von Erlen am Ufer, wo Erlen wachsen gibt es wesentlich mehr Fische. Wahrscheinlich wegen der niedrigeren Temperaturen und des stärkeren Algenwachstums unter Bäumen. Über 150 Insektenarten und über 70 Pilzarten leben von der Schwarzerle. Die gerbstoffreichen Blütenstände wurden früher zusammen mit der Rinde zum Ledergerben und zum Wollefärben genutzt. Aus den Zapfen machte man Tinte. Die jungen Zweige mit den klebrigen Blättern benutzte man als natürliche Fliegenfänger.
Als Heilpflanze fand die Erle bei Schmerzen und Erkältungen Verwendung.
Erlenbruch
Gefährdung:
In erster Linie ist die Schwarzerle durch den Menschen gefährdet. Nach wie vor werden Flüsse begradigt, Bäume abgeholzt oder durch Baumaßnahmen der Grundwasserspiegel abgesenkt. Dazu kommt aber noch zusätzlich eine Baumkrankheit, verursacht durch einen Pilz namens „Phytophthora“.
Erle
Mythologie und Aberglaube:
Die Rotfärbung des frisch geschnittenen Holzes ist die Ursache für manchen Bericht von blutenden Bäumen. Der Standort Sumpf und Bruchwald machte die Erle früher sowieso schon verdächtig. Vom Weg abgekommene Wanderer fürchteten die „Irle“, das „Erlenweib“ von denen sie in den Sumpf gezogen werden konnten. Der „Erlkönig“ hat allerdings nichts mit der Erle zu tun, er entstand aus einem Übersetzungsfehler, es muß eigentlich „Elfenkönig“ heißen. Bei der Rechtsprechung wurde der „Stab über jemanden gebrochen“. Dabei wurden Erlenstäbe über dem Kopf einen ausgestoßenen Menschen zerbrochen und die Stücke in verschiedene Richtungen geworfen. Um griechische Orakelstätten wuchsen häufig Erlenhaine. Nach der „Aeneis“ betrauerten die Heliaden, die Töchter des Sonnengottes Helios, den Tod ihres Bruders Phaeton solange, bis sie von Göttervater Zeus in ein Erlengestrüpp verwandelt wurden.
Erlenrinde


Natur des Jahres 2003 Download Steckbrief Schwarzerle
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