Schullandheim Zöthen

Sagen aus Camburg und Umgebung

Kobi

 

Die Sage von der wandelnden Laterne
Die Saalenixe und der Camburger Bäcker
Die Nixe und das Kümmelbrot
Schatzgräber in Camburg
Der Schatz unter dem Schloß zu Tümpling
Die goldene Gans
Der Reiter an der Holzecke
Der Zecher und das Irrlicht
Die unheimlichen Vögel
Gold an der Cyriakskirche
Der geizige Bauer
Gold für den Stöbener Schäfer
Der Silbergroschen
Die Magd und der Zwerg
Der verlorene Schatz
Die Musikanten in der Cyriaksruine
Die Heinzelmännchen im Steinbruch
Die Zwerge aus den Wolfsbergen
Der seltsame Hase
Der Zwerg in Behmitz




 

Die Sage von der wandelnden Laterne

Nicht weit von Camburg, in Leislau wohnte ein reicher Mann, dessen einziger Sohn eine Liebschaft mit einem blutarmen Mädchen unterhielt. Der Vater war so aufgebracht darüber, daß er mit ihm nach Naumburg fuhr und ihn zwang, daselbst geistlich zu werden. Nach einiger Zeit kam war der junge Mann als Mönch ins Cyriakskloster bei Camburg.
Da war er seiner Geliebten aus Leislau wieder näher und sann, wie er zu ihr kommen könne. Er entdeckte einen geheimen Gang mit einer verborgenen Falltür, durch die er heimlich aus dem Kloster kam und eilte mit einer Blendlaterne die Mönchsschöppe hinab, am Saaleufer aufwärts bis zu einem Kahn und fuhr zum Clausfelsen hinüber. Über den Clausberg gelangt er zum Haus seiner Geliebten in Leislau, und nachdem sie einander liebgehabt nach Herzenslust, kommt er auf dem gleichen Weg zurück ins Kloster.

Die geheimen nächtlichen Wanderungen waren ihm immer geglückt, bis einst bei seiner Rückkehr die schwere Falltür plötzlich zuschlug und ihm die rechte Hand abhieb, in der er die Laterne hielt. Man fand ihn am anderen Morgen verblutet, doch ohne Hand und Laterne, die gehen seit jener Zeit um, schreckend und warnend.

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Die Saalenixe und der Camburger Bäcker

Vorzeiten lebten in der Saale viele Nixen. Wie die Menschen aßen auch sie Brot. Eine holte es immer bei einem Camburger Bäcker, doch bestand sie darauf, daß er es immer ohne Kümmel buk. Für Zwerge und Nixen sei dieses Gewürz tödlich, versicherte sie ihm immer wieder. Und der Bäcker hielt sich daran.

Eines Tages mußte er aber eine Reise tun, und so überließ er den Gesellen das Backen des Nixenbrotes. Der war aber ein Schalk und wollte sehen, was geschehe, wenn er gegen das Verbot handelte. Ahnungslos nahm die Nixe wie immer das Brot entgegen. Tags darauf starb das Nixenkind, weil es von dem gekümmelten Brot gegessen hatte. Nun blieb auch die Saalenixe für immer verschwunden. Als der Bäckergeselle eines Tages mit einem Kahn über die Saale setzen wollte, zogen ihn die Nixen in die Tiefe. Bis zum Jüngsten Tag muß er nun auf dem Grunde des Flusses den Wassergeistern dienen.

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Die Nixe und das Kümmelbrot

Von der Saage über die Saalenixe gibt es noch eine zweite Fassung.

Vor vielen Jahren kam eine Nixe aus der Saale regelmäßig nach Camburg, um bei einem Bäcker Brot zu kaufen. Die Nixe fiel durch ihre grünen Augen, ihre grünen Zähne und ihr grünes Kleid, das immer einen nassen Saum hatte, auf.
Als die Nixe das erste Mal zum Bäcker kam, bat sie ihn, ihr Brot ohne Kümmel zu backen, während die Camburger damals am liebsten Brot mit Kümmel zu essen pflegten. Da der Bäcker ein freundlicher Mensch war und die Nixe sagar den doppelten Preis dür das Brot zahlen wollte, ging der Bäcker gern auf den Wunsch der Nixe ein, die nun regelmäßig ein Brot ohne Kümmel von ihm erhielt.
Eines Tages spielte die kleine Tochter des Bäckers an der Saale. Da stieg die Nixe mit ihrer eigenen Tochter aus dem Wasser und bald spielten alle drei freundlich miteinander. Die Nixe, die nicht so sehr gern ins Zentrum der Stadt ging um Brot einzukaufen, bat die Bäckerstochter, ihr in Zukunft das Brot auf die Wiese zu bringen. Das Mädchen willigte ein udn brachte nun pünktlich jeden Donnerstag das Brot zur Wiese. Als Dank erhielt das Kind von der Nixe stets kleine Geschenke: bunte, ganz glatte Steine, eine Muschel oder einen Fisch.
Als der Bäcker einmal verreisen mußte beauftragte er seinen Gesellen der Nixe Brot zu backen und schärfte ihm ein, keinesfalls Kümmel in das Brot zu geben. Der Geselle hielt sich auch an diese Anweisung, so daß die Nixe nicht merkte, daß das Brot von anderer Hand gebacken worden war.
Der Geselle wollte aber wissen, was geschehen würde, wenn er doch Kümmel in das Nixenbrot backen würde. So gab er in der nächsten Woche Kümmel in den Teig. Das Bäckerkind, das davon nichts wußte, brachte der Nixe fröhlich wie immer das Brot. Doch in der Woche darauf, als das Kind wieder das Brot zur Nixe bringen wollte, wartete es vergebens auf die Nixe. Erst nach einiger Zeit hörte es die Nixe mit trauriger Stimme aus der Tiefe der Saale rufen: "Warum hat man Kümmel in das Brot gebacken? Mein armes Töchterchen hat davon gegessen und ist daran gestorben. Warum haben mir die Menschen das angetan?" Als das Bäckerkind das hörte rannte es entsetzt davon.
Der Bäckergeselle war sich der Bosheit seiner Tat nicht bewußt. Als er einige Zeit darauf mit Freunden eine Kahnfahrt auf der Saale unternahm, prahlte er damit, wie er Kümmel in das Nixenbrot gebacken hatte. Doch während er seine Schandtat erzählte, tauchten auf einmal mehrere Nixen um das Boot herum auf, warfen es um und zogen den bösen Bäckergesellen in die Tiefe. Seine Freunde erreichten mit Mühe das Ufer.
Den Bäckergesellen wollen aber einige später noch gesehen haben. Er soll in der Tiefe der Saale leben und muß für die Nixen Brot ohne Kümmel backen. Manchmal läßt er sich in einem Gebüsch an der Saale mit warnend erhobenen Zeigefinger sehen und ruft: "Sagt es allen Bäckern und auch allen Gesellen, daß sie nie den Nixen Kümmel ins Brot backen, sonst ergeht es ihnen wie mir, sie bleiben auf ewig Gefangene."

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Schatzgräber in Camburg

Ein Camburger Haus, an dessen Stelle vorher ein Kloster gestanden haben soll, wurde von einem merkwürdigen Spuk heimgesucht. Jede Nacht polterte es heftig im Stubenoffen. Geräusche in der Stube und auf dem Gang verrieten Bewegung, ohne daß etwas zu sehen war. Die Wände klingelten wie aneinanderschlagende Schlüssel. Mit der Zeit glaubten die Bewohner des Hauses, der Spuk sei der umgehende Geist eines Mönches, der zu Lebzeiten die Aufgabe hatte, Fenster und Türen des Klosters zu schließen und auch jetzt des Nachts dieser Aufgabe im Haus nachgehe.
Eines Tages erschien in Camburg ein Wahrsager, der von dem Spuk gehört hatte. Er erklärte den Bewohnern des Hauses, daß der Spuk einen im Haus verborgenen Schatz anzeige. Man könne nach dem Schatz graben, es dürften jedoch keine Kinder zugegen sein.
Die Erwachsenen schickten daraufhin die Kinder aus dem Haus, und der Wahrsager begann, an einer Stelle den Fußboden herauszunehmen und zu graben. Nach einer Weile anstrengender Arbeit machte sich ein fester Gegenstand bemerkbar, der offenbar der Deckel einer Kassette oder eines großen Steinkruges war. Mit feuereifer ging die Arbeit weiter und alle glaubten in wenigen Augenblicken im Besitz des Schatzes zu sein.
Dabei hatte jedoch keiner mehr an die Kinder gedacht, die in ihrer Neugier von draußen versuchten, etwas von dem seltsamen Geschehen im Haus mitzubekommen. Die Kinder hoben sich gegenseitig an der Hauswand hoch. Bald war es dem ersten gelungen einen Blick durch ein Fenster in das Innere des Hauses auf die Schatzgrube zu werfen. In diesem Augenblick jedoch verschwand der feste Gegenstand im Erdreich und es kam auch beim weiteren Nachgraben kein Anzeichen eines Schatzes mehr zum Vorschein.
Seit dieser Zeit hörten jedoch die Spukgeräusche im Haus auf.

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Schatz unter dem Schloß zu Tümpling

Unter dem Herrenhof zu Tümpling finden sich noch alte Gewölbe, in denen, wie die Leute sagen, ein goldner Gänserich mit zwölf goldnen Eiern sitzt. Die goldne Gans hat bereits ein früherer Pächter gehoben, aber mit dem Leben seines Sohnes bezahlen müssen, Ein Schäfer fand am Gemäuer der ehemaligen Cyriakskirche bei Camburg alltäglich auf einem Stein eine Anzahl Goldstücke aufgezählt.

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Die goldene Gans

Eine etwas ausführlichere Version dieses Geschichte.

In der Tiefe unter dem alten Herrenhaus in Tümpling soll ein goldenes Gänsepaar auf zwölf goldenen Eiern brüten. Ein Pächter des Tümplinger Gutes hatte von dieser Sage gehört und beschloß mit seinem Sohn den Schatz zu heben.
Eines Abends stiegen die beiden Männer in das alte, halb verfallene Kellergewölbe um den Schatz zu suchen. In den unterirdischen Räumen standen sie bald vor einer schweren Tür, die sich kreischend auftat. Dahinter lag ein großer Raum und in diesem Raum entdeckten Vater und Sohn tatsächlich die Gans, die auf zwölf goldenen Eiern saß. Und gegenüber saß der goldene Gänserich.
Der Alte packte die Gans samt ihren goldenen Eiern und rief dem Jungen zu, daß er den Gänserich nehmen möge. Da begannen die Augen des Gänserichs jedoch ganz furchterregend zu funkeln. Der Pächter erschrak sehr und ließ die Gans und ihre Eier fahren und rannte davon. Der Sohn stand zunächst wie gelähmt da, floh dann jedoch seinem Vater nach.
Der Sohn verfiel nach dieser Schatzsuche in ein hohes Fieber und es dauerte nicht lange, bis er daran starb. Den Pächter nahm der Tod des Sohnes jedoch so sehr mit, daß er auch bald ins Grab folgte. Die goldene Gans mit ihren zwölf goldenen Eiern und der goldene Gänserich sollen noch immer unter dem Tümplinger Herrenhaus sitzen.

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Der Reiter an der Holzecke

Von Camburg führte einst ein Fußweg an der sogenannten Holzecke vorbei nach Stöben. Die Holzecke, die Stelle, an der der Wald begann, war den Einheimischen nicht geheuer, weil dort manchmal ein seltsames Licht spukte.
Ein Camburger Bauer, der sich nicht vor Gespenstern fürchtete, mußte einmal des Nachts nach Stöben reiten. Als er an die Holzecke kam, sah er dort eie Laterne, die hin und her geschwenkt wurde. Da wurde dem ansonsten mutigen Mann doch etwas seltsam zumute. Auch sein Pferd wurde unruhig.
Das Licht kam immer näher und pendelte schließlich unmittelbar vor dem Kopf des Pferdes. Da bäumte sich das erschreckte Pferd auf, ging durch und raste mit seinem Reiter die Böschung zur Saale hinunter. Pferd und Reiter versanken in der Saale und wurden nie wieder gesehen.
Seit dieser Zeit behaupten immer wieder Menschen, daß sie an der Holzecke Wiehern, die Geräusche eines stürzenden Pferdes, die Rufe eines erschreckten Reiters und das Aufschlagen auf Wasser gehört hätten.

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Der Zecher und das Irrlicht

Ein Bauer aus Tümpling zechte einmal sehr lange in der Gaststätte in Camburg. Auch das gute Zureden seines Sohnes, mit ihm nach Hause zu kommen, fruchtete nichts, so daß der Sohn sich schließlich allein auf den Heimweg begab.
Erst nach Mitternacht lief der betrunkene Bauer den einsamen Clausweg nach Tümpling entlang. Plötzlich sah er vom Tümplinger Park ein Irrlicht auf sich zukommen. In seiner Angst sang er das Lied vom Irrlicht in der Hoffnung, damit den Spuk abwenden zu können:

"Irrlicht, Irrlicht
roter Strumpf,
deine Heimat ist der Sumpf!"

Doch dieser Beschwörungsversuch half nichts. Das Licht kam näher und näher und blendete den Bauern mit seinem grellen Schein. Als der Bauer sogar die Augen schließen mußte, bekam er plötzlich eine schallende Ohrfeige.
Nachdem der Bauer sich von seinem Schrecken und der Ohrfeige erholt hatte, war das Licht verschwunden. Der Bauer rannte, so schnell er konnte, nach Hause. Dort legte er sich ins Bett, wo er einige Tage völlig teilnahmslos liegen blieb, ehe er starb.

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Die unheimlichen Vögel

In einem Haus in Camburg, an dessen Platz einmal ein altes Kloster gestanden haben soll, wohnte einst ein alter Mann namens Schröter. Dieser Mann ging eines Tages hinaus zur Cyriaksruine, um dort einen dürren Busch auszugraben.
Als er zum ersten Axtschlag am zähen Wurzelwerk des Busches ausholte, erstarrte er vor Schreck, als er nach oben sah. Denn plötzlich hatte sich auf jedem Ast des Busches ein großer grauer Vogel niedergelassen. Es wurden immer mehr Vögel, so daß sie nach kurzer Zeit das ganze Astwerk des Busches bedeckten.
Schröter wußte nicht, was er von der seltsamen Erscheinung halten sollte. Die unzähligen Vögel konnten nur ein Spuk sein. Vor Angst war er unfähig mit seiner Axt weiterzuarbeiten. Auf einmal begannen die Vögel einen widerlichen und fürchterlichen Lärm zu machen. Da ließ Schröter seine Axt fallen und rannte, so schnell er konnte, davon. Es dauerte mehrere Tage, ehe er sich von seinem Schrecken erholt hatte.

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Gold an der Cyriakskirche

Ein alter Schäfer hütete seine Tiere gern an der Mauer des Cyriaksklosters. Eines Tages entdeckte er in den Ritzen eines Steines Goldstücke. Voll Freude über den gefundenen Schatz nahm er das Gold mit nach Hause.
Einige Tage später war er mit seiner Schafherde wieder bei der Cyriaksruine und kam erneut zu dem Stein, an dem er die Goldstücke gefunden hatte. Wie staunte der alte Mann, als er aufs neue Goldstücke in den Ritzen des Steines erblickte! Er nahm auch diesmal den Schatz an sich. Es dauerte nicht lange, bis er abermals mit seiner Schafherde den Weg zum alten Kloster nahm, und auch zum dritten Mal fand er Goldstücke in dem alten Stein. Jedesmal, wenn er wieder zu diesem Glücksstein kam, lagen neue Goldstücke für ihn bereit.
Der neue Reichtum des Schäfers konnte natürlich nicht lange unentdeckt bleiben. So mußte der Schäfer wohl oder übel seinem Herrn Rede und Antwort über die Quelle seines Reichtums stehen. Der Herr verpflichtete ihn dazu, ihm in Zukunft die Hälfte von allem Gold anzugeben. Schweren Herzens mußte der Schäfer einwilligen, und den nächsten Besuch an der Cyriaksruine machten Schäfer und Herr gemeinsam. Doch statt der erwarteten Goldstücke fanden die beiden Männer nur die leere Ritze in dem alten Stein. Auch später lagen nie wieder Goldstücke dort. Die Goldquelle war versiegt.

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Der geizige Bauer

In Camburg lebte einst ein Bauer, der seines Geizes wegen im ganzen Umkreis verschrien war. Der durchstreifte gern zu Pferd die Gegend und stöberte in altem Gemäuer, in der Hoffnung, einen Schatz zu finden. So führte ihn sein Weg des öfteren auch zur Cyriaksruine.
Eines Tages hörte er in der einsamen Cyriaksruien eine Stimme seinen Namen rufen. Als er der Stimme nachging, sah er plötzlich in einer Maueröffnung eine herausgestreckte Hand, die einen gefüllten Beutel hielt.
Der Bauer meinte, daß ihm hier ein wohlwollender Geist einen Schatz reichen wolle. Deshalb griff er gierig zu, um den Beutel an sich zu bringen. Doch im gleichn Augenblick fühlte er sich von einer starken Hand gepackt, die ihn unbarmherzig festhielt. Ungeachtet aller gegenwehr umfaßte ihn die Hand immer fester und zog ihn schließlich durch die Maueröffnung in das Innere der Ruine.
Trotz aller Nachforschungen hat man den Bauern nicht wiederfinden können. Doch viele haben sein Verschwinden als Strafe für seine Habgier und seinen Geiz angesehen.

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Gold für den Stöbener Schäfer

Eine zweite Version der Sage über das Gold an der Cyriakskirche.

Der Stöbener Schäfer hütete für alle Bauern seines Ortes die Schafe. Einmal, im Frühjahr, als die Saale noch Hochwasser führte, mußte der Schäfer seine Tiere über den Fluß setzen, um sie am anderen Ufer weiden zu lassen. Doch als er mit seiner Fähre mitten im Fluß war, wurde auf einmal ein Bock wild, die Fähre geriet ins Schwanken und kenterte.
Nur mit Mühe konnte sich der Schäfer ans Ufer retten. Von den Schafen gelang es nur einem Teil das Ufer zu erreichen. Die anderen Tiere ertranken in der kalten Flut. Nun war guter Rat teuer, denn der arme Schäfer sollte die Tiere ersetzen, die ums Leben gekommen waren. Das konnte er aber nicht, denn er war zu arm.
So saß der Stöbener Schäfer nun zur Abendzeit in den einsamen Ruinen des Cyriaksklosters und bedachte seine traurige Lage. Da sah er eines Tages auf einem großen Stein, der etwas abseits von der Klsoermauer stand, Goldstücke blinken, die er voller Freude einsteckte.
Von diesem Tag an fand der Schäfer jeden Abend die gleiche Anzahl Goldstücke auf dem großen Stein. Da hatte der Kummer des Schäfers rasch ein Ende. Er konnte die ertrunkenen Schafe ersetzen und war bald kein armer Mann mehr.
Der neugewonnene Wohlstand des armen Schäfers machte die Stöbener Bauern natürlich neugierig. Sie drängten ihn zu erzählen, woher er seinen Reichtum habe und so mußte er ihnen schließlich berichten, daß der Schatz vom Cyriakskloster stamme. Kaum war das Geheimnis enthüllt, so stürzten die Bauern zu den alten Ruinen, um sich ihren Anteil an dem Schatz zu sichern. Dort gab es jedoch kein Gold mehr, und auch später wurde nie wieder Gold auf dem Stein gefunden. Der Schäfer aber verschwand am selben Tag und wurde nicht wieder gesehen.

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Der Silbergroschen

Ein Dienstmädchen aus Camburg holte täglich Futter für die Kaninchen von einer Wiese bei der Cyriaksruine. Eines Tages fand es auf einem großen Stein einen Silbergroschen, den es sofort einsteckte. Auch am nächsten und übernächsten Tag lagen auf dem Stein Silbergroschen, die das Mädchen ebenfalls an sich nahm. Am dritten Tag erschien ein Zwerg und sprach zu dem Mädchen: "Hör zu, mein Kind, ich weiß, wie arm du bist. Du wirst von mir so viel Geld erhalten, daß du dir so viele schöne Kleider kaufen kannst, wie du willst. Da darfst aber keinem Fremden von diesem Geld erzählen, sonst wirst du keinen Silbergroschen mehr finden. Hälst du dein Versprechen, so liegt hier jeden Tag ein Silbergroschen für dich bereit."
Das Mädchen versprach gern, das Geheimnis zu hüten, und der Zwerg verschwand wieder. Voller Freude holte das Mädchen nun täglich den Silbergroschen und hatte nach kurzer Zeit so viel Geld, daß es sich ein neuer Kleid, von dem es schon lange geträumt hatte, kaufen konnte.
Der Besitzer des Geschäftes, in dem das Mädchen das Kleid kaufte, wurde jedoch mißtraurisch. Er erzählte der Familie, bei der das Mädchen in Stellung war, von dem Einkauf, und rasch kam der Verdacht auf, daß das Geld gestohlen sei.
Das Mädchen beteuerte seine Unschuld, wollte aber trotz des Drängens der anderen nicht erzählen, woher das Geld stammte, um das dem Zwerg gegebene Versprechen nicht zu brechen. Doch unter diesen Umständen glaubte dem Mädchen niemand. So gab es schließlich sein Geheimnis preis.
Am anderen Tag suchte das Mädchen wieder den Stein bei der Cyriaksruine auf. Doch diesmal lag kein Silbergroschen dort. Auch den Zwerg sah das Mädchen niemals wieder.

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Die Magd und der Zwerg

Auf der großen Wiese, die früher neben der Cyriakskirche lag, soll einst ein großer Weihkessel gestanden haben. Einer armen Dienstmagd, die sich einmal auf diese Wiese gesetzt hatte, begegnete dort ein Zwerg, der mit ihr ein freundliches Gespräch anknüpfte. Beim Abschied gab er dem Mädchen einen Sechser und sagte, daß es nun jeden Tag hier einen Sechser erhalten werde. Es müsse aber unbedingt über die Herkunft des Geldes schweigen.
Das Mädchen freute sich sehr und kam nun jeden Tag zu dem Platz, um tatsächlich, wie es der Zwerg versprochen hatte, dort einen Sechser vorzufinden. So sammelte sich in dem kleinen Schatz der Dienstmagd Sechser um Sechser. Es dauerte gar nicht lange, bis sich das Mädchen den Herzenswunsch erfüllen konnte, ein schönes Kleid und einen schon lange begehrten Ring zu kaufen.
Die Bekannten und Nachbarn des Mädchens staunten nicht schlecht, als sie die arme Dienstmagd mit dem neuen Kleid und dem Ring erblickten. Sie fragten so lange, bis das Mädchen schließlich die Herkunft des Geldes verriet.
Ohne große Gewissensbisse kam die Magd, auch nachdem sie ihr Geheimnis verraten hatte, wieder zur Cyriakskirche. Doch diesmal lag kein Sechser für sie bereit. Stattdessen traf sie ein tödlicher Schlag.

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Der verlorene Schatz

Ein Mann träumte einmal, er sei in den Ruinen der Cyriakskirche. Dort sah er einen merkwürdig auffallenden Steinbrocken. Als er diesen aufhob, öffnete sich unter ihm ein dunkler Höhleneingang, der unter die Ruine führte und in einem Gewölbe voller Schätze endete.
Als der Mann aus seinem Traum erwacht war, konnte er sich von der Erinnerung an das im Traum Geschehene nicht losmachen. So beschloß er noch am gleichen Abend in die Ruine zu gehen und zu schauen, ob es nicht vielleicht tatsächlich diesen Gang gäbe.
Gut vorbereitet und ausgerüstet kam er in der folgenden Nacht an der Ruine an. Und, was er eigentlich doch kaum für möglich gehalten hätte, er erkannte in den Trümmern der Kirche jenen Stein, den er bereits im Traum gesehen hatte, und unter diesem Stein begann tatsächlich ein unterirdischer Gang.
Mit ungeheurem Herzklopfen tastete sich der Mann nun durch den Gang immer weiter in die Tiefe. Bald sah er vor sich einen hellen Schein, dem er rasch näher kam. Nur ein großer Steinbrocken verdeckte noch das Licht, das aus der Schatzkammer herrühren mußte, wie er sie im Traum gesehen hatte. Doch als er den Stein beiseite räumen wollte, konnte er ihn nicht festhalten, und der große Brocken stürzte laut polternd in die Tiefe.
Der Schatzsucher war durch den herabpolternden Stein zutiefst erschrocken. Von panischer Angst erfüllt, flüchtete er aus dem Gang ins Freie zurück. Doch der Gedanke an den Schatz ließ ihm keine Ruhe. Schon am kommenden Morgen machte er sich wieder auf den Weg zur Cyriaksruine. Aber dort fand sich weder der Stein noch der unterirdische Gang. Viele Tage und Nächte forschte der Mann noch nach dem Zugang zu dem in der Tiefe verborgenen Schatz. Doch er konnte ihn nicht wieder finden.

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Die Musikanten in der Cyriaksruine

Nach einer Kirmesfeier in Stöben, begaben sich die Musikanten aus Camburg, ein Schneider, ein Schuster, ein Sattler und ein Gastwirt, auf den Heimweg, der sie an der alten Cyriaksruine vorbeiführte. Als die vier in der Nähe des alten Gemäuers waren, kam dem Schneider ein verrückter Gedanke: "Wißt ihr, was wir jetzt machen?" fragte er seine Genossen "Wir bringen den Mönchen ein Ständchen!" Die anderen Musikanten waren einverstanden, und so stellten sie sich an der Eingangspforte des ehemaligen Klosters auf und bliesen einen Choral.
Nachdem der letzte Tod verklungen war, lag wieder die nächtliche Stille über den Ruinen. Es dauerte jedoch nicht lange, da näherte sich den vier Männern aus den Ruinen eine Gestalt, die sie bald als einen Mönch erkannten. Dieser fragte sie, wem sie das Ständchen gebracht hätten. Als die Musikanten ihm sagten, daß es ihm und seinen Mitbrüdern gegolten habe, freute sich der Mönch sehr und schenkte ihnen zum Dank eine Weidenrute: "Habt Dank für einer Lied!", sagte der Mönche. "Jedem von euch will ich eine Weidenrute geben. Die hebt gut auf. Sie wird euch Glück bringen. Ihr werdet es bald merken."
Die vier Männer nahmen die Ruten und zogen ihres Weges. Drei von ihnen warfen jedoch bald die Rute, die ihnen wertlos erschien, weg. Nur der Schneider brachte sie bis nach Hause und legte sie auf einen Schrank.
Als er eines Tages nach der Weidenrute sah, stellte er fest, daß sich die unscheinbare Gerte in eine massive Goldstange verwandelt hatte. Da war seine Freude groß. Er erzählte seinen Gefährten von seinem Glück. Diese rannten gleich los um ihre weggeworfenen Weidenruten zu suchen, konnten sie aber nicht wiederfinden. Der Schneider war jedoch durch das Geschenk des Mönchs ein reicher Mann geworden und konnte sich ein stattliches Haus bauen.

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Die Heinzelmännchen im Steinbruch

Ein Camburger Maurermeister, Martin Trübner mit Namen, besaß den kleinen Steinbruch oberhalb der Cyriaksruine, in dem einst auch die Steine für die Kirche gebrochen worden waren. Dort brach er mit seinen Knechten Steine und schaffte sie auf seine Baustellen.
Als Martin Trübner eines Tages zum Steinbruch kam, fand er dort einen großen Haufen frisch gebrochener Steine wohl aufgeschichtet vor. Er wunderte sich und erzählte zu Hause davon. Man kam zu der Vermutung, daß ein Bauer aus der Umgebung unerlaubterweise Steine für sich gebrochen habe und diese in der kommenden Nacht heimlich wegschaffen würde.
Doch am anderen Morgen lagen die Steine immer noch da. So fuhren Martin Trübner und seine Leute die Steine hocherfreut ab, hatten sie sich doch die schwere Arbeit des Steinebrechens ersparen können.
Als der Maurermeister nach einigen Tagen erneut zum Steinbruch kam, um aufs neue Steine zu brechen, lag schon wieder ein Haufen frisch gebrochener Steine parat, so daß auch diesmal die Steine nur aufgeladen werden brauchten. Auch in der Folgezeit konnte sich Martin Trübner das Steinebrechen sparen. Stets, wenn er oder seine Leute zum Steinbruch kamen, waren genügend gebrochene Steine da.
Martin Trübner plagte jedoch die Neugier. Er hätte gar zu gern gewußt, wer ihm so offenbar völlig uneigennützig die schwere Arbeit des Steinebrechens abnahm. So begab er sich eines Abends zum Steinbruch und erstieg einen hohen Baum, von dem aus er den Steinbruch gut beobachten konnte.
Lange blieb alles still. Doch als es Mitternacht wurde, kam Bewegung in den Steinbruch. Martin Trübner hörte ein Trippeln und Trappeln von vielen Füßen. Er hörte das Schlagen von Eisen auf Stein und sah auch Funken fliegen. Als der Mond aufging, konnte er erkennen, daß unter ihm eine große Schar von Zwergen emsig bei der Arbeit war.
Martin Trübner war über die Entdeckung der lieben Zwerge so begeistert, daß er einen lauten Schrei ausstieß. Das hätte er jedoch nicht tun sollen. Die Zwerge erschraken, als sie seine Stimme hörten, und verschwanden ganz schnell im Wald.
Von dieser Nacht an kamen die kleinen Helfer nicht mehr in Trübners Steinbruch, so daß er die schwere Arbeit wieder selbst verrichten mußte. Es wird aber erzählt, daß die Zwerge weiter oben, in der sogenannten Bastei, auch später noch beim Steinebrechen geholfen hätten.

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Die Zwerge aus den Wolfsbergen

Zwischen Camburg und Schmiedehausen liegen die Wolfsberge. Dort sind die Zwerge und Kobolde des Cyriakswaldes zu Hause. Als das Cyriakskloster noch bewohnt war, kamen die Zwerge einmal spät abends zum Kloster und rüttelten an den Fensterläden, die bereits verschlossen worden waren. Sie riefen den Mönchen, die sich gerade zur Ruhe begeben hatten, zu: "Steht auf, die Wilde Jagd kommt! Beschwört sie und vertreibt die Geister, ehe sie Unheil anrichten können!"
Als die Mönche ins Freie traten, hörten sie schon das Brausen in der Luft. Die Berge fingen an zu beben, das Brausen und Toben wurde immer stärker und gespenstische Lichter waren am Himmel zu erblicken. Die Mönche fielen zu Boden und beschworen die Wilde Jagd. Die Zwerge suchten unter Pilzen nach Deckung und beschossen die Wilde Jagd mit Pfeilen.
Offensichtlich hatten die Mönche und Zwerge Erfolg. Das Heulen und Toben ging vorüber, die Lichter verschwanden und schließlich war der ganze Spuk vorbei.

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Der seltsame Hase

Auf den Waldwiesen um die Cyriaksruine wuchsen die besten Birnen und Äpfel der ganzen Gegend. Deshalb wurden zur Erntezeit Wächter ausgestellt, die das Obst bewachten. Diese Wächter machten es sich in der Nacht bei Essen, Trinken und Kartenspiel in einer Bude gemütlich.
Eines Nachts sahen die Obstwächter am Waldrand einen brennenden Busch und vor diesem einen Hasen, der in das Feuer starrte. Beim Anblick des Hasen kam den Obstwächtern die Idee, den Hasen zu schießen. Sie holten ein Gewehr und schossen auf das Tier, ohne es jedoch zu treffen.
In dem Moment, in dem der Schuß abgegeben wurde, verschwand schlagartig der brennende Busch. Der Hase aber saß plötzlich ganz dicht vor den Augen der Obstwächter, die ein tiefes Grauen überkam. Sie versteckten sich schnell in der Obstbude und wagten sich erst am Morgen wieder ins Freie.

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Der Zwerg in Behmitz

Unterhalb von Tümpling, an der Mündung des von Mollschütz herabkommenden Baches in die Saale, lag einst das Dörfchen Behmitz. Das letzte Haus dieses Ortes soll erst 1930 abgerissen worden sein, nachdem es zum Schluß noch als Obstbude benutzt worden war.
In einem Frühjahr führte die Saale wieder einmal besonders hohes Wasser. Starker Regen ließ den Fluß immer mehr anschwellen. Da klopfte es spät abends bei einem Bauern in Behmitz an die Haustür. Als er aufschloß, sah er vor sich einen frierenden und erschöpften Zwerg stehen, der um Essen und ein Nachtquartier bat.
Doch der Behmitzer Bauer war ein hartherziger Mensch und schickte den armen Zwerg fort. Dieser versuchte nun bei Nachbarn sein Glück, wurde aber auch dort abgewiesen. Nirgendwo in Behmitz wollte man ihn aufnehmen. So gelangte er schließlich zu dem armseligen Häuschen des Schäfers, das etwas abseits von den anderen Häusern des Dorfes gelegen war.
Der Schäfer war ein gutmütiger Mann und nahm den armen Zwerg auf. Er bewirtete ihn nach seinen Möglichkeiten und bot ihm einen warmen Schlafplatz an. Doch der Zwerg wollte nicht bleiben. Er müsse in der Nacht noch fort. Trotz der Widerrede des Schäfers und seiner Hinweise auf das schlechte Wetter ließ sich der Zwerg nicht halten. Er dankte seinem Gastgeber und war wenig später in der Dunkelheit verschwunden.
Am nächsten Morgen goß es immer noch in Strömen vom Himmel. Besorgt darüber, daß das Hochwasser Schaden im Dorf anrichten könnte, schauten die Schäfersleute beim ersten fahlen Morgenschimmer aus dem Fenster. Wie erschraken sie, als sich ihnen vor ihrem Haus ein völlig verändertes Bild bot. Das ganze Dorf war verschwunden. Die reißende Saale hatte in der Nacht alle Gehöfte hinweg gespült. Das Schäferhaus war das einzige Gebäude das stehengeblieben war.
In der Morgendämmerung war am anderen Ufer der Zwerg zu erkennen, der sie am VOrabend besucht hatte. Er stand am Rande der über das Ufer getretenen Saale und hatte einen kräftigen Zweig in der Hand mit dem er hart und rhythmisch auf das Wasser schlug. Unter seinen Schlägen ging die Flut allmählich zurück. Nur durch diese Besänftigung des Hochwassers durch den dankbaren Zwerg wurden der Schäfer und seine Familie gerettet.
Das Dorf Behmitz wurde aber nicht wieder aufgebaut. Nur das alte Schäferhaus stand noch lange einsam unterhalb von Tümpling an der Saale.

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