Schullandheim Zöthen

Unsere Ehemaligen - Im Gedenken

Kobi


Hella

Hella

Erinnerungen aus der Zeit mit und um Hella

Hella wird älter

Wie ein leiser Wind kaum wahrnehmbar übers Land zieht und irgendwo verschwindet, zog die Zeit mit uns dahin. Tage, Wochen und Jahre vergingen. Brachten neue Kinder und neue Aufgaben. Vertraute Gesichter verschwanden oder blieben allmählich aus. Wie dies das Leben halt so vorschreibt.
Hella spürte allmählich die Last der Jahre. Sie wurde behäbiger und schwerfälliger.
Hinten links bekam sie ein dickes Bein. Anfangs halfen Lehmpackungen. Später diverse Salben und Tinkturen. Auch auf Wasserkuren sprach sie an. Bei einem neuen Ausbruch versuchte sich der junge Tierarzt und ehemalige Reitschüler Gerdi Hiepe. Er konnte ebenso wenig helfen, wie unser Hausarzt Dr. Zottmaier. Schmerzen hatte Hella nicht. Lahm ging sie auch nicht. Um den Kreislauf in Schwung zu halten, wurde sie behutsam bewegt.

Hella

Notwendige Schmiedearbeiten, das heißt Ausschneiden der Hufe gestaltete sich jedes Mal zu einem Akrobatenstück für alle Beteiligten. Mit ihrer rechten Seite lehnte sich Hella an eine Boxenwand. Andi hob das dicke, linke Hinterbein vorsichtig etwa 10 cm vom Boden weg und stellte die Hufzehe auf einen untergeschobenen Holzklotz. Hella stützte sich anstelle ihres Elefantenbeins mit dem Knie an Andis Hüfte ab. So hielt sie sich wenigstens etwas in Balance.
Herr Käsbauer, der Schmied, auch nicht mehr der Jüngste, legte sich fast auf den Stallboden um seine Schnipselarbeit so gut wie möglich verrichten zu können. Schnell mußte es gehen. Diese ungewohnte Haltung war sehr anstrengend für das Pferd. Und nicht nur fürs Pferd. Rührend war, wie sich Hella bemühte, mitzuwirken, zu entlasten und, wenn auch manchmal vor Anstrengung zitternd, die Arbeiten zu erleichtern.

Im Frühsommer 1994 war’s, als Hella plötzlich zusammenbrach. Ein kleines Mädchen wurde auf ihr über die Springkoppel geführt, als Hella plötzlich schwankte und im nächsten Moment umfiel. Nach einer halben Minute stand sie wieder auf, war offensichtlich etwas benommen, atmete stoßweise in kurzen Intervallen und benahm sich nach kurzer Zeit wieder ganz normal.
Ein gehöriger Schreck für alle Beteiligten.
Das zweite Mal passierte das Gleiche beim Grasen auf der großen Koppel. Andi, die es zufällig beobachtete, rannte zu ihr hin, klopfte und rüttelte sie so lange bis sie aufstand. Der gerufene Tierarzt spritzte ein kreislaufstabilisierendes Mittel. Das Einzige, was er, wie er sagte, tun konnte.

Dramatisch wurde der dritte Anfall.
Der Nasenbach neben unserem Bauernhof hatte eine breite Furt, die auch von der großen Koppel aus begangen werden konnte. Hella und Astrid standen oft darin und kühlten sich nach Art von Pfarrer Kneip die Beine.
Etwa zwei Meter neben dem Einstieg befand sich eine breite Gumpe. Etwa 1m tief mit kiesigem Grund. Ausgerechnet da hinein fiel Hella. Zum Glück waren Andi und Uli ganz in der Nähe.
Beide rannten sofort in den Bach und hoben den Kopf von Hella so über die Wasseroberfläche, daß sie nicht ertrank. Die Feuerwehr von Hallbergmoos wurde gerufen. Diese hätte eigentlich mit einem Trupp des Technischen Hilfswerks anrücken sollen. Am Ufer standen deshalb eine Menge ratloser uniformierter Feuerwehrmänner. Sie hatten nur einen Löschzug mitgebracht, der in dieser Situation wenig nützte.
Hella war immer noch nicht in der Lage zu stehen. Vor Kälte zitternd hielten Andi und Uli immer noch tapfer Hellas schweren Kopf. Gott sei Dank begann Hella unruhig zu werden und zu zappeln. Mit den Beinen scharrte sie im Kies des Bachbodens und richtete sich endlich auf. Die Rettungsaktion war damit beendet.
Im Jahresbericht der Feuerwehr stand später: "Ein Pferd vor dem Ertrinken gerettet.".



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