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Hella |
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Erinnerungen aus der Zeit mit und um Hella |
Mit zunehmendem Alter avancierte Hella ob ihrer mütterlichen Art immer mehr zum Liebling der kleineren Kinder. Dabei bekundete sie allerdings, daß sie nicht mit jedem ihrer kleinen Reiter einverstanden war. Nach welchen Kriterien sie ihre Vorlieben oder Abneigungen auswählte, konnte nie so richtig erkannt werden. Möglicherweise entschied sich dies schon beim Putzen, Auftrensen und Satteln im Stall.
Kinder hampeln oft wegen ihrer geringen Größe vor dem Kopf des Pferdes herum. Es ist gar nicht so leicht das Zaumzeug über Griffhöhe anlegen zu können. Hella erkannte das Problem sehr wohl. Freundlich neigte sie bei den Kindern, die ihr sympa-thisch waren, Kopf und Hals, damit die "Zwerge" ihre Arbeit verrichten konnten. Ein kleines Mädchen sah ich einmal unschlüssig vor Hella stehen. Sie hatte das Trensenmundstück vorschriftsmäßig in der linken, das Genickstück in der rechten Hand. Der Zügel hing bereits über Hellas Hals. Das Pferd stand in Bereitschaft. Hilfreich zog sie die Oberlippe hoch, sperrte ihr Maul weit auf und wartete geduldig darauf, das Eisenzeug eingelegt zu bekommen.Auf besonders subtile Weise bekundete Hella ihren Unmut, wenn ihr eines der Kinder nicht passte. Die Methode war ebenso effektiv, wie konsequent.
Zielstrebig ging sie auf unserem Reitplatz auf die Bäume zu, deren Äste tiefer hingen. Es half kein Zerren am Zügel und nützte kein Geschrei. Hella schritt gemächlich aber unaufhaltsam genau an der Stelle unter dem Baum durch, an dem das Kind langsam von ihrem Rücken gestreift werden konnte.
Nie ist dabei etwas passiert. Nur manchmal war die Heiterkeit ringsum groß. Dann nämlich, wenn der Reiter sich krampfhaft am Ast anklammerte und ohne Pferd hilflos frei in der Höhe zappelte. Hella dagegen rupfte drei Meter entfernt genüsslich Gras.

Mit zunehmendem Alter legte Hella, auch unter dem Reiter, großen Wert darauf, daß die anderen Pferde eine bestimmte Distanz einhielten. Wurde dies missachtet, legte sie die Ohren flach und gefährlich an, zeigte ihre kräftigen Schneidezähne und verteidigte mit vorgestrecktem Hals und eiligen Tritten nach vorne ihre Respektzone.
Im theoretischen Unterricht erzählte ich den Kindern, daß Pferde beim Grasen in aller Regel keine Feindseligkeiten von anderen Herdenmitgliedern erwarten mussten.
Ein kleiner Junge hat dabei offensichtlich gut aufgepasst.
Auf dem Reitplatz hörte ich ihn immer wieder rufen "Hella friss!" "Hella friss!".
Da er sein Pferd noch nicht richtig führen konnte und Hella ab und zu unfreundlich zu anderen Pferde war, dachte er das Problem dadurch zu lösen, daß er sie zu friedlichem Verhalten anregte.

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