Schullandheim ZöthenUnsere Ehemaligen - Im Gedenken |
![]() |
Hella |
![]() |
Erinnerungen aus der Zeit mit und um Hella |
Max, ein begeisterter Segler, nahm seine Töchter auf einen langen Segeltörn vor der Küste Jugoslawiens mit. Als sie nach drei Wochen von Bord gingen, verkündete Claudia mit nachhaltiger Bestimmtheit: "Nie mehr in meinem Leben werde ich so eine Reise machen!".
Rudolf, passionierter Segelflieger, konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als seinen Urlaub auf dem Flugplatz zu verbringen. In Zelten auf freier Wiese hinter dem Tower campierte die ganze Familie und nahm regen Anteil am täglichen Fluggeschehen. Schnell erkannte Ulla, daß das Drumrum viel, viel mehr Zeit beanspruchte, als die wenigen Minuten im Flugzeug.
Ihr Kommentar: "Eine schöne Freiheit über den Wolken. Schade um die schönen Ferientage! In Zukunft ohne mich !".
Für Toni gehörte das Reiten einer Jagd zu den Höhepunkten seines reiterlichen Lebens.
Gudula, seine Tochter, liebte Pferde auch. Sie ritt, eben weil sie diese Tiere liebt, mit kameradschaftlicher Hingabe. Von sportlichem Ehrgeiz ließ sie sich nicht anstecken. Ihre Zuneigung und ihre ganze Einstellung hätte dies nicht zugelassen. Bedenkenlos konnte sie auf leichten Ausritten mitgenommen werden.
Die Anmeldung Gudulas zu einer Reitjagd entfachte in mir große Bedenken. Ich sagte dies auch ganz unmissverständlich ihrem Vater.
Bei so einer Jagd tummeln sich doch die unterschiedlichsten Reiter. Die Überschätzung der eigenen reiterlichen Fähigkeiten fand bei vielen schon immer fruchtbaren Boden. Nur einige davon im Jagdfeld auf entsprechenden Pferden und für Trubel und brisante Situationen ist gesorgt.
In Gedanken sah ich sie im Pulk dahinstürmen. In der Mitte die unerfahrene Gudula mit Hella. Eine schreckliche Vorstellung.
All dies tat Toni mit einem kurzen Satz ab. "Sie sitzt doch auf der Hella! Die passt schon auf sie auf!"
Um es gleich vorweg zu sagen:
Toni hatte recht.
Schon beim ersten Aufgalopp bestimmte Hella den Ablauf. Die tapfere, kleine Gudula nahm nicht nur die beiden Zügel fest in die Hand. Sicherheitshalber auch noch einen Büschel Mähnenhaare. Damit demonstrierte sie, daß ihr Pferd getrost die Führung übernehmen könne.
Der Pulk preschte los, drängte sich zu einem Knäuel dicht hinter dem Master. Hässlich an den Zügel zerrend, überholten die ersten Reiter beide Piköre und dann auch noch den Master. Kein schöner Anblick.
Gebrüll! Hohoo-Schreie. Ohnmächtiges Kreiseln hilfloser Reiter an beiden Seiten der Hauptgruppe. Allgemeines Chaos.
Ganz hinten, kurz vor den Schlußpikören, galoppierte Hella in rundem, ruhigem Kanter. Gudula zufrieden oben drauf. Beide ließen sich vom Stallübermut der anderen Pferde nicht anstecken.
Der erste Sprung. - Kein Problem.
Hella ließ sich Zeit. Richtete es so ein, daß sie ankam, als alle anderen darüber oder daneben vorbei waren. Lässig brachte sie ihre Reiterin über das Hindernis und folgte ruhig dem immer noch turbulenten Feld.
Vor dem nächsten Sprung verweigerten einige Pferde. Standen quer. Stiegen hoch. Trampelten hektisch hinter- und nebeneinander mit wild gestikulierenden roten und bunten Röcken oben drauf. Gefährlich für alle Ankommenden. Beste Voraussetzung für einen hässlichen Crash. Einige Reiter konnten durchparieren. Warteten ungeduldig auf ihren drängelnden Pferden. Diese begannen missmutig zu buckeln. Dadurch entstand neue Unruhe und aufregende Bedrängnis.
Hella kümmerte sich um all dies nicht. Ohne zu zögern liess sie das Hindernis in weitem Bogen einfach rechts liegen. Ruhig galoppierte sie weiter. Dem Hauptfeld nach.
Ein Profi eben!
So ging es ungetrübt weiter bis zum großen Halali.

Ein großes Erlebnis für die glückliche Tochter mit Hella, der eigenwilligen und, wie zu sehen war, auch mütterlichen Schimmelstute.
Ich bin sicher, daß Gudula diesen Tag und ihr Pferd ihr ganzes Leben nicht vergessen wird. Bestimmt auch Toni, ihr Vater, nicht.
Später, als ich mit meinen Reitschülern und meinen Pferden an Reitjagden teilnahm, war mir Toni mit Hella jedes Mal eine große Hilfe.
Innerhalb der jeweiligen Jagdgesellschaft bildeten wir immer eine eigene Gruppe. Mit Astrid oder Luzius ritt ich vor und Toni mit Hella hinter unseren letzten Reitern. Dadurch schützten wir die jagdunerfahrenen Jugendlichen. Notfalls konnten wir ihnen helfen oder Hinweise für einen guten Ablauf geben. Diese Methode hat sich besonders auf der Mändl-Jagd in Kirchdorf und bei Ingold in Kleinkammerberg bewährt.

| Übersicht | Pferde | Unsere Ehemaligen |
| Tiere | Aktuelles |