Schullandheim Zöthen

Unsere Ehemaligen - Im Gedenken

Kobi


Hella

Hella

Erinnerungen aus der Zeit mit und um Hella

Hella´s Liebe zur Jagd

Als große Leidenschaft entwickelte sich bei Toni die Jagdreiterei. Hella, schon abstammungsmäßig prädestiniert für diesen Zweig der Reiterei, machte ihrem väterlichen Erbe besondere Ehre und ihrem Besitzer viel Freude. Jetzt beginnt wieder die rot-grüne Saison, hörte man gelegentlich von Eingeweihten zu Toni sagen. Heute hätte dies politische Bedeutung.
Damals dachte jeder an den roten Reitrock von Toni und den grünen Schweif von Hella. Der grüne Schweif entstand bei Hella immer dann, wenn sie ihren Herrn im roten Rock sah. Durch erhöhte Verdauungsvorgänge und damit verbundenen dünnflüssigen Kotabsatz färbte sich der sauber gewaschene, weiße Schweif allmählich grün. Dem Temperament von Hella konnte entnommen werden, daß die Aufregung Vorfreude und nicht Angst war.
Übrigens erzählte mir Toni in einer launigen Stunde, daß bei den ersten Jagden unter den begleitenden Zuschauern immer einige Damen des Vereins waren, die mit Klopapier und Schnaps ausgerüstet waren, um sie Toni bei Bedarf reichen zu können. Toni reagierte nämlich bei Aufregung wie sein Pferd in ähnlicher Weise.

Im Frühjahr brauste ein Orkan über den Eichenwald. Mit unbändiger Gewalt fällte er Baumriesen, schmetterte mächtige, alte Äste zu Boden und zauste das grüne Blätterdach, daß die Erde übersät war mit Zweigen und nassem Laub.
Der Eichenwald hatte sich in einen Springgarten mit allen möglichen, natürlichen Hindernissen verwandelt. Ein Traum für uns Reiter. Die Aufräumungsarbeiten gingen nur langsam voran. Eine feine Sache, weil dadurch für die nächste Jagd eine Streckenführung möglich wurde, die schöner nicht hätte sein können.
Die Jagd wurde dann auch auf der ganzen Linie ein großer Erfolg. Es waren so viele Teilnehmer am "Stelldichein", daß in zwei Feldern geritten werden mußte.

Zwei Schwierigkeiten waren auf dieser Jagd gefürchtet:
Das eine war der Steilhang am Dünzlauer Berg und das andere der Wassereinsprung an der Mühle.
Der Steilhang deshalb, weil die meisten Reiter heiligen Respekt vor einem Geländegefälle haben, das die Pferde auf der Hinterhand rutschend überwinden müssen. Hoch auf dem Pferd, also gut zwei Meter über Hangkante sah sich mancher schon im Sturzflug in die Tiefe purzeln.
Der Wassereinsprung war Hauptanziehungspunkt für eine große Menge von Zuschauern. Diese erhofften sich insgeheim, daß sie einige Reiter ins Wasser plumpsen sehen. Die Reiter wiederum fürchteten die Blamage eines unfreiwilligen Bades. Jeder Teilnehmer wusste, daß die Pferde beim Landen auf dem Wasser dessen Oberfläche als Aufsprung taxieren, dann bis zum Grund durchfallen und dabei sehr leicht das Gleichgewicht verlieren.
Bei jenem Mühlweiher war bekannt, daß er mindestens 50 cm tief war. Also schon ein ganz beachtliches Risiko.
Toni und seine Hella meisterten die ganze Strecke souverän und ohne Probleme.

Hella

Im zweiten Feld gab es am Dünzlauer Berg einige Stürze, weil die vorderen Reiter an der Talsohle sofort weiter galoppierten. Alle Nachfolgenden, die noch im mittleren oder am oberen Teil des Berges waren, hatten gehörig zu kämpfen. Der Herdentrieb der Pferde brachte manchen Reiter ins Schwitzen. Diejenigen, deren Pferde sich nicht halten ließen und sich mit mächtigen Bocksprüngen am Steilhang ihrer Reiter entledigten, kugelten holter die polter den steilen Berg hinunter.
Verloren blieben sie zurück. Ihre Pferde stürmten den anderen nach und überholten, lustig den Kopf schlenkernd, sogar noch das vorderste Feld.




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