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Hella |
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Erinnerungen aus der Zeit mit und um Hella |
Genau nach 40 Jahren, nämlich am 16. Januar 1971 kam ich zum zweiten Mal in meine Geburtsstadt Ingolstadt.
An jenem Tag besichtigte ich den Reitstall an der "Gabel". Eine große Anlage bei Ingolstadt, die kurz zuvor Pleite gegangen ist.
Durch den umsichtigen Einsatz eines Rechtsanwalts, der befristet die Vorstandschaft des Vereins übernahm, wurde der ganze Reitverein samt Anlage dem TV 1861 unterstellt und damit gerettet. Ich sollte die reiterliche Leitung der neuen, eigenständigen Abteilung übernehmen.
Damals sah ich sie zum ersten Mal.
Sie war noch jung. Gerade mal vier Jahre alt, schon Mutter und bereits von ihrem Kind getrennt.
Der Besitzer des mittelgroßen Eisenschimmels mit hessischem Brand war jener Rechtsanwalt. Er hatte die Stute vom Pferdehändler Wenzl aus Weiden gekauft. Sie hieß Hella und hatte eine sonderbare Eigenheit. Jedes Mal, wenn sie ein Stück Zucker erhielt, formte sie ihre Zunge zu einem langen U. Schmatzend tat sie dabei kund, daß es ihr geschmeckt hat. Dies war zwar nicht der Gewährsmangel "Koppen" aber als geschickter Anwalt, und das war Toni ganz bestimmt, meldete er in aller Form seine Bedenken an. 1.000,00 DM Preisnachlass waren nicht schlecht und wurden gerne akzeptiert.
Ein Anwalt hat nicht immer Zeit. Was tut er also mit seinem Pferd?
Er geht eine Partnerschaft ein.
Eine unglückliche Entscheidung dann, wenn der Partner zu den Reitanfängern zählt. In diesem Fall hoppelte Lothar, ein netter, lustiger Kerl auf Hellas Rücken herum. Er fand es sogar schön wenn Hella ihren Rücken so fest machte, daß er bei jedem Trabtritt 20 cm aus dem Sattel geprellt wurde. Kein feiner Zustand, der sich aber sehr bald von selbst regelte.
Der Besitzer mußte für einige Zeit ins Krankenhaus und der Partner hatte einen Sportunfall.
So kam es, daß Hella das erste Pferd in Ingolstadt wurde, das mir zum Beritt anvertraut wurde. Das freute mich nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch deshalb, weil mich das Pferd interessierte.

Geboren 1967 als Tochter einer Hessenstute und einem irischen Hunter hatte sie schon einige, prägende Stationen in ihrem kurzen Leben durchlebt. Ihre Erfahrung lehrte sie dabei vorsichtig und nicht zu vertrauensselig zu sein.
Hella präsentierte sich mit einem in vielen Reitstunden entwickelten, harten Maul. Gut antrainierte Unterhalsmuskeln halfen dem schlauen Pferd zudem noch beim eigenwilligen Umgang mit seinen Reitern.
Dabei konnte sie bestechend raumgreifende und taktreine Trabbewegungen entwickeln. Was außerdem kaum zu glauben war, sie bot einen angenehm schwingenden Rücken an. Hella war eine gute Schülerin. Die Arbeit mit ihr machte Spaß und ließ schon nach kurzer Zeit erfreuliche Fortschritte erkennen.
Sobald sie ein Anfänger ritt, erinnerte sie sich sofort an ihre alten Tricks und Schutzmechanismen. Dies bestätigte wieder einmal meine Erkenntnis, daß Pferde in ihrer Prägezeit eine gute, qualifizierte Reitausbildung bekommen sollten. Sie erinnern sich ihr ganzes Leben lang an diese Epoche und daran, was sie in dieser Zeit gelernt haben.
Früher gab der potente Pferdebesitzer sein Pferd in "Beritt". Heute sind "Pferdeflüsterer" große Mode. In beiden Fällen werden und wurden Wunder erwartet. Bei geringstem eigenem Einsatz sollten Siegerqualitäten und absolute "Selbstläufer" geformt werden.
Bei Hella hatte ich das Glück, mit normalen und engagierten Menschen zusammen arbeiten zu können. Ich mußte sie nicht erst psychologisch betreuen, um sie auf das Pferd einzustellen. Wer in dem Metier arbeitet, weiß wie glücklich man darüber ist.
Kein Wunder also, daß sich herzliche Freundschaft zur ganzen Familie entwickelte.
Genau wie ihr Besitzer war Hella mit großer Freude im Gelände unterwegs. Es waren mit die schönsten Ausritte, die ich mit ihnen in meinem Leben gemacht habe.
Jedes Mal ein neues Erlebnis, wenn es hinüber ging in den herrlichen Eichenwald. In diese weitläufige, abwechslungsreiche Landschaft mit seinen parkähnlichen und blumenreichen Waldwiesen, den uralten Baumriesen und den traulichen Buschgruppen.
Gerne kehrten wir bei Willi, dem Jagdpächter in seiner Jagdhütte ein. Knackige Würste gab`s, kühles Bier und für die Kinder ein Limo. Die Pferde waren auch zufrieden. Sie rupften um uns herum genüsslich ihr Gras. Willi hatte immer eine lustige Geschichte auf Lager. Das I-Tüpfelchen auf unsere immer heitere Stimmung im Schatten der knorrigen Eichen.
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