Schullandheim Zöthen

Unsere Ehemaligen - Im Gedenken

Kobi


Fanni

Fanni

Obwohl Fanni erst 1975 geboren wurde, beginnt meine Geschichte über sie bereits in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre. - Die Betonung liegt hier auf "meine Geschichte".
Schließlich ist es nicht üblich, bei einer Lebensbeschreibung von irgendwelchen Vorfahren zu sprechen. Bei Pferden trifft das ganz besonders zu, weil ein genau geführtes Pedigree sowieso Auskunft über eine große Anzahl Beteiligter gibt. Vergleichen wir es hier einfach mit außerehelichen Verhältnissen, besser gesagt mit heimlichen Liebesbeziehungen. Deren Folgen können zwar Freude bereiten, müssen aber nicht jedermann auf die Nase gepappt werden.

Also, das war so:
Damals hatte ich drei Pferde. Erstens den 1964 geborenen Kobi, zweitens den gekörten Haflinger Hengst Moritz und die hannoversche Staatsprämienstute Dirndl.
Moritz und Dirndl waren außerhalb der Rosseperioden auf gemeinsamer Koppel hinter dem Haus und Kobi auf der Nachbarwiese. Das funktionierte einige Jahre sehr gut. Es herrschten Friede und Eintracht auf dem sonnigen Schillerbauernhof mitten in Freising.

Moritz und Dirndl
Moritz und Dirndl, Fannis Großeltern und Fratzis Eltern

Da erfuhr ich, daß "Laterit" der hannoversche Hengst, abstammend von dem bekannten Trakehner "Lateran" in Pfaffenhofen auf der Hengststation steht.
Mein Dirndl und dieser schmucke Fuchshengst schienen wie geschaffen füreinander zu sein.
Es klappte wunderbar. Nach drei Tagen zur Probe nochmals zum Hengst. Abgeschlagen. Erneuter Kontrollbesuch nach drei Wochen. Die spätere Urinprobe bestätigte die Trächtigkeit. - Geburt wie aus dem Lehrbuch.

Das Fohlen ein Fuchsstuterl, das, wie der Landstallmeister Dr. Sonnleitner bei seinem Besuch feststellte, den Schweif genauso schief trägt, wie der Vater Laterit. Nach einigen Monaten kamen erste Zweifel über die Vaterschaft auf. - Das Ergebnis: Moritz ist der Vater - Fratzi, so hieß das junge Kind der Liebe, übernahm meine Schwägerin in Nörting.

1974 wurde Fratzi von dem hannoverschen Hengst Laterit, abstammend von dem bekannten Trakehner "Lateran", der eigentlich ihr Vater werden sollte, gedeckt.
1975 am 08.05.75 wurde Fanni geboren. Aufgewachsen ist sie in Nörting, zusammen mit ihrer Mutter und dem "Onkel Welko".
Dirndl und ihr Fohlen Fratzi - Fannis Mutter

1991kamen Fanni (16 Jahre alt) und Welko (20 Jahre alt) in die Brandau.
Da sie zusammen blieben, gewöhnten sie sich sehr schnell ein. Umstellungsschwierigkeiten hatten sie offensichtlich kaum. Beide waren fleißig, anfangs nicht immer freundlich, fanden aber sehr bald viele "Fans".

1992 ritt sie Christoph auf dem Überlandritt in die Wacholderheide. Fanni auf dem Überland durch die Wacholderheide

1992 ritt sie Christoph auf dem Überlandritt in die Wacholderheide.

1995 gemeinsamer Umzug nach Thüringen im LKW.

Fanni Zwei große Boxen nebeneinander, herrliche Koppeln mit den inzwischen sehr vertrauten Stallgefährten ließen die beiden "Senioren" ruhig und zufrieden erscheinen.

Fanni bestach durch ihre Springbegabung, die sie immer wieder beim Unterricht unter Beweis stellte.
Eigentlich war sie das beste Freizeitpferd, das man sich nur wünschen konnte. Ich meine dies nicht abwertend - im Gegenteil.
Sie hatte alle Attribute, die ein charakterlich untadeliges Pferd neben einwandfreien Grundgangarten und einer selbstverständlichen Leistungsbereitschaft haben sollte. Vom Nerv her gelassen und empfänglich für vertrauensvollen Umgang wäre sie natürlich auch für den Einsatz im Sport geeignet gewesen.

1999 am 3. August starb Fanni.

Eine anfangs diagnostizierte und behandelte Kolik stellte sich als Darmverschluß heraus. Der instabile Kreislauf erlaubte eine Fahrt in die Klinik nach Leipzig nicht mehr, sodaß das Einschläfern vom Arzt empfohlen, dem Leiden ein Ende setzte.
Man mag es sentimentale Gefühlsduselei nennen, aber als Welko, den wir zu ihrer Beruhigung mit in der Halle führten, weggebracht wurde, klang ein leises Wiehern wie ein Abschied, den beide Lebensgefährten nahmen.

Inzwischen hat uns auch Welko verlassen und so bleibt uns der gerne angenommene Trost, daß die Beiden wie einst hienieden jetzt auf neuen Weidegründen inzwischen mit vielen aus unserer Herde grasen können.

Fanni



Leider haben wir von Fanni kaum Bilder. Wir würden uns freuen, wenn ihr uns eigene Bilder zur Verfügung stellen könntet.



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